studio baken

studio baken ist ein interdisziplinäres Kollektiv aus Künstler*innen, Kurator*innen, Softwareentwickler*innen, Architekt*innen und Kommunikationsexpert*innen, das von Caroline Meyer-Jürshof gegründet wurde. Ausgehend vom historischen Motiv der Bake – einem
Seezeichen, das Orientierung gibt, wo Karten enden – untersucht das Kollektiv, wie solche Zeichen in urbane Räume übersetzt werden können. Mit künstlerischen Interventionen, digitalen Anwendungen, partizipativen Workshops und raumbezogenen Installationen macht studio baken Prozesse des Wandels sichtbar und schafft neue Formen gemeinschaftlicher Orientierung, Wahrnehmung und kollektiver Erfahrung in Zeiten gesellschaftlicher Transformation. Das Kollektiv arbeitet und lebt im Raum Stuttgart.



  1. Konzept
  2. Historie
  3. Team
  4. Artistic Research
  5. Ausstellungen und Residencies
  6. Projekte
  7. Partizipative Formate




Kontaktformular

Atelier
studio baken
Willy-Brandt-Straße 12
70173 Stuttgart


1. Das Konzept von studio baken: neue Orientierungsorte für eine komplexe Gegenwart.
Was sind Baken?

Baken sind historische Seezeichen, die seit Jahrhunderten von Seefahrer*innen zur Navigation genutzt werden. Sie wurden an Küsten errichtet, an denen es keine natürlichen Orientierungspunkte gab, und dienten als visuelle Markierungen zur sicheren Positionsbestimmung. Jede Bake besitzt eine eindeutige Form, Farbe und Symbolik und ist in Seekarten klar verzeichnet. Als universelle Zeichen der Orientierung stehen Baken für Sicherheit, Richtung und Schutz. Sie markieren Übergänge zwischen Land und Meer, Bekanntem und Unbekanntem. studio baken greift diese ursprüngliche Funktion auf und überträgt sie in die Gegenwart.

Was macht studio baken?

studio baken ist ein interdisziplinäres Kollektiv, das historische Seezeichen als künstlerische, räumliche und gesellschaftliche Orientierungssysteme neu denkt. Ziel ist es, mithilfe von Baken neue Orientierungsorte und neue Orientierungssprachen für den öffentlichen Raum, für kulturelle Institutionen und für gesellschaftliche Diskurse in Zeiten des Wandels zu entwickeln. Ausgehend von historischem Kartenmaterial der Nord- und Ostsee, das unter anderem aus den Archivalien des Deutschen Schifffahrtsmuseums Bremerhaven zur Verfügung gestellt wurde, aber auch von weltweiten Formen vergleichbarer Landmarken und Architekturen, verbindet studio baken künstlerische Forschung mit zeitgenössischen Methoden aus Architektur, Technologie und Vermittlung. Die ursprünglich von Seefahrer*innen genutzten Zeichen werden dabei als konkrete, physische Bauten und künstlerische Formate in die heutige, zunehmend digitale Welt übersetzt.

Warum Baken heute?

In einer Zeit, in der traditionelle Orientierungssysteme brüchig werden, eröffnet studio baken Räume für Reflexion, Schutz und Neuverortung. Die Projekte des Kollektivs laden dazu ein, sich mit Fragen von Orientierung, Zugehörigkeit und Wahrnehmung auseinanderzusetzen – jenseits von Sprache und festgelegten Bedeutungen.

Formate und Arbeitsweisen

studio baken verbindet künstlerische Innovation mit gesellschaftlicher Relevanz. Alle Projekte sind langfristig angelegt, öffentlich wirksam und interdisziplinär vernetzt. Sie zeichnen sich aus durch hohe Sichtbarkeit im öffentlichen und kulturellen Raum, sie sind nachhaltig, ortsspezifisch und auf gesellschaftlichen Mehrwert ausgerichtet. Sie verbinden Kunst, Architektur und digitale Technologie in partizipativen Formaten, die Dialog und Teilhabe ermöglichen sollen.

Die Arbeit von studio baken umfasst:

- großformatige Skulpturen im öffentlichen Raum, die als künstlerische Interventionen, neue urbane Orientierungspunkte oder Schutzräume fungieren

- öffentliche Workshops zu Themen wie Bakenbau, Orientierung in der Stadt, Zeichensprache und Symbolik, Raumwahrnehmung und urbane Transformation

- kleinformatige Skulpturen, Videoarbeiten und Malerei als künstlerische Praxis und Orientierungshilfen im musealen und institutionellen Kontext

- Artistic Research als kontinuierliche Grundlage der Projekte

studio baken schafft Orientierung, räumlich, kulturell und gesellschaftlich. Das Kollektiv entwickelt Zeichen, die bleiben, und Orte, die zum Nachdenken, Verweilen und Neuorientieren einladen.




2. Historie: studio baken wurde aus einer künstlerischen Beobachtung heraus gegründet, an die sich eine grundlegende Frage anschloss: Woran orientieren wir uns heute?
Die erste Bakensichtung

Der Ursprung des Kollektivs liegt im Jahr 2019, als die Künstlerin, Kuratorin und Gründerin Caroline Meyer-Jürshof an der Ostseeküste erstmals bewusst einer historischen Seebake begegnete. Am Strand von Freest, in Mecklenburg-Vorpommern, stand auf ihrem Weg vom Campingplatz zu einer kleinen Kirmes ein auffälliges Holzkonstrukt ganz selbstverständlich in der Landschaft, unbeachtet von den meisten Passant*innen, aber von großer symbolischer Kraft.

„Ich ging an diesem großen Holzkonstrukt vorbei, weiß und rot gestrichen, direkt am Wasser stehend. Alle liefen einfach daran vorbei und ich dachte mir: Habe ich hier ein künstlerisches Mittel zur Orientierung gefunden, nach dem ich schon lange suche? Was mich sehr schnell an Baken faszinierte, war ihre eindeutige Sprache aus Symbolen, jedes einmalig, die einen einzelnen Ort markieren. Man muss nicht dieselbe Sprache sprechen oder den gleichen Hintergrund haben, um sie zu verstehen. Nur das Symbol der Bake sehen, das man eins zu eins in den Seekarten wiederfindet, ganz ohne Legende oder zusätzliche Informationen.“

Diese Begegnung markierte die erste Bakensichtung und den Beginn eines Artistic-Research- Projekts, das sich mit historischen Seezeichen als universellen Orientierungssystemen beschäftigte. Schnell wurde deutlich, dass Baken weit mehr sind als nautische Hilfsmittel: Sie sind kulturelle Zeichen, räumliche Marker und kollektive Bezugspunkte in Landschaften ohne natürliche Orientierung.

Vom Einzelprojekt zum interdisziplinären Kollektiv

Mit der zunehmenden inhaltlichen Tiefe der Forschung wuchs auch der Bedarf an unterschiedlichen Kompetenzen. Um Seezeichen nicht nur theoretisch zu erforschen, sondern sie neu zu interpretieren, zu bauen, digital weiterzuentwickeln und für eine breite Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wurde studio baken schrittweise erweitert.

2021 kamen zunächst Architekt*innen hinzu, um räumliche, konstruktive und materielle Fragen zu bearbeiten. 2023 ergänzten Softwareentwickler*innen das Team, um digitale Methoden, KI- basierte Prozesse und algorithmische Transformationen einzubinden. 2025 wurde das Kollektiv

schließlich durch Kommunikations- und Vermittlungsexpert*innen erweitert, um Partizipation, Öffentlichkeit und gesellschaftlichen Diskurs gezielt mitzudenken. Aus dem ursprünglichen Forschungsprojekt entstand so ein interdisziplinäres Kollektiv, das Kunst, Architektur, Technologie und Kommunikation verbindet.

studio baken heute

Heute arbeitet studio baken im Raum Stuttgart an der Schnittstelle von künstlerischer Forschung und urbaner Transformation. Historische Seezeichen dienen dabei als Ausgangspunkt für zeitgenössische künstlerische Projekte im öffentlichen Raum. Mit Installationen, digitalen Verfahren und partizipativen Formaten entwickelt das Kollektiv neue Orientierungszeichen für eine sich wandelnde Gesellschaft. Der aktuellste Meilenstein ist die Entwicklung eines Prototypen im Rahmen des IBA’27 Festivals#2, der die bisherige Forschung von studio baken räumlich und konzeptuell bündelt.

studio baken wurde gegründet, um Orientierung neu zu denken – jenseits von Sprache, Herkunft oder Vorwissen. Aus einer einzelnen Beobachtung am Strand ist ein kollektiver Prozess entstanden, der historische Zeichen in die Gegenwart übersetzt und sie für heutige gesellschaftliche Fragen öffnet.





3. Das Team hinter studio baken: Interdisziplinär. Forschend. Kollaborativ.
studio baken ist ein interdisziplinäres Kollektiv, das Kunst, Architektur, Technologie und gesellschaftliche Vermittlung zusammenführt. Hinter dem Projekt steht ein Team aus Künstler*innen, Architekt*innen, Softwareentwickler*innen und Kommunikationsexpert*innen, die ihre jeweiligen Fachgebiete gezielt miteinander verbinden.

Was das Team eint, ist das gemeinsame Interesse an Fragen von Orientierung, Raum und Wahrnehmung in einer sich wandelnden Gesellschaft. studio baken arbeitet forschungsbasiert, prozessorientiert und kollaborativ: Historische Seezeichen werden aus unterschiedlichen Perspektiven untersucht, weiterentwickelt und in zeitgenössische künstlerische Formate übersetzt. Die Zusammensetzung des Teams ermöglicht es, Projekte von der konzeptuellen Idee über die digitale Entwicklung und räumliche Umsetzung bis hin zur öffentlichen Vermittlung ganzheitlich zu denken. Damit schafft studio baken die Grundlage für nachhaltige, öffentlich wirksame Projekte an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft und urbanem Raum.

Aktuelle Mitglieder

Caroline Meyer-Jürshof (Philosophie/Germanistik B.A., Visuelle Kommunikation/ Kunstwissenschaft M.A.) arbeitet als Künstlerin, Kuratorin und Dozentin an der Schnittstelle von Kunst, Kultur und Publikation. Ihre Schwerpunkte liegen in Artistic Research und konzeptuellen Projekten, die historische und gegenwärtige Formen von Wahrnehmung, Raum und Kommunikation verbinden. Mit studio baken initiierte sie eine interdisziplinäre Plattform, um historische Seezeichen als künstlerische Symbole neu zu interpretieren und als zeitgenössische Orientierungspunkte erfahrbar zu machen. 
https://carolinemeyerjuershof.cargo.site
Daniel Hundsdörfer (Ingenieurinformatik/Kognitive Technische Systeme M.A.) arbeitet im Bereich „Data and AI“ mit Fokus auf bild- und videobasierten Machine-Learning-Algorithmen sowie der  Entwicklung generativer Kunst. Er verbindet technische Forschung mit künstlerischer Anwendung und erschließt so neue Ausdrucksformen im Zusammenspiel von Mensch, Maschine und Material. Bei studio baken entwickelt er die KI-basierten Verfahren, mit denen aus historischem Kartenmaterial neue visuelle Baken generiert werden.

Robin Sieber (Architektur B.A.) ist spezialisiert auf Holzbau, Gestaltung und Visualisierung. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen in nachhaltigem Bauen, räumlicher Planung und urbaner Transformation. Er verbindet gestalterische Präzision mit einem sensiblen Umgang mit Material und Struktur. Für studio baken verantwortet er die räumlich-konstruktive Umsetzung der Installationen und den Transfer digitaler Entwürfe in physische, begehbare Formen.

Stefanie Strigl (Soziologie/Sozialforschung M.A.) arbeitet als Kommunikationsstrategin und Vermittlungsexpertin an der Schnittstelle von Kultur, Technologie und Gesellschaft. Durch ihre Expertise in Audience Development und der Entwicklung inklusiver, partizipativer Formate fokussiert sie sich bei studio baken auf die konzeptionelle Vermittlung, die gesellschaftliche Einbindung der Projekte und die kommunikative Übersetzung komplexer künstlerischer Prozesse. Im Zentrum steht dabei stets die Frage, wie Formen der Wahrnehmung, Orientierung und Teilhabe im öffentlichen Raum neu verhandelt werden können.

Ehemalige Mitglieder
Sophie Tscherny (Architektur M.A.), München




4. Artistic Research: Baken als künstlerisches Medium zwischen Orientierung, Raum und digitaler Transformation.
Die Arbeit von studio baken basiert auf Artistic Research, einer künstlerischen Forschungspraxis, die historische, materielle und digitale Wissensformen miteinander verbindet. Im Zentrum stehen historische Seezeichen als kulturelle, räumliche und ästhetische Medien der Orientierung. studio baken versteht Artistic Research dabei als offenen Prozess zwischen Kunst, Wissenschaft und Öffentlichkeit. Baken fungieren wiederum als Medium, Methode und Metapher für Orientierung, Schutz und neue Formen des Denkens im Raum.

Künstlerisches Interesse: Warum Baken?

Baken sind mehr als nautische Hilfsmittel. Sie verbinden Kartografie, Architektur und Zeichensprache und funktionieren als universell lesbare Symbole im Raum. Ihre klare Formensprache, ihre reduzierte Farbigkeit und ihre eindeutige Positionierung verleihen ihnen einen hohen Wiedererkennungswert, unabhängig von Sprache oder kulturellem Hintergrund.

Künstlerisch interessant sind Baken, weil sie im Forschungsansatz von studio baken zentrale Gegensätze vereinen: Analog und digital, Wasser und Land, Natur und Stadt, Schutz und Gefährdung, Verfall und Wiederaufbau. Gefertigt aus Holz, sind sie zugleich widerstandsfähig und fragil, ausgesetzt an Küsten, im Salzwasser, später auch städtischen Abgasen. Sie markieren Orte der Navigation, Orientierung, Rettung und des Schutzes.

studio baken fragt aus einem künstlerischen und gesellschaftsrelevanten Interesse heraus: Wo brauchen wir heute Orientierung und Schutzräume? Womit orientieren wir uns in einer komplexen, digitalen Welt? Und was geschieht, wenn historische Seezeichen diese Rolle neu übernehmen? Baken vermitteln dabei eine eigene Ästhetik zwischen Klarheit und Mystik: Sie stehen still, verlässlich und zugleich rätselhaft im Raum, als Zeichen, die Bedeutung anbieten, ohne sie festzuschreiben.

Im Rahmen der Artistic Research entstanden unter anderem folgende künstlerische Werke:

- Großskulpturen:
- Prototyp Bake (IBA’27 Festival#2) 
- Künstlerische Bake (Amsterdam)

- Kleinskulpturen: Holz, Draht, Ton, Äste
- Malerei und Zeichnung: Skizzen, Acryl auf Pappe, Acryl auf Holz, Öl auf Holz, Öl auf Leinwand

Digitaler Ansatz: KI, Morphing und neue Zeichensprachen

Der digitale Forschungsansatz von studio baken verbindet historische Quellen mit generativer Künstlicher Intelligenz. Ausgangspunkt waren 30 historische Baken, extrahiert aus Kartenmaterial des Deutschen Schifffahrtsmuseums Bremerhaven, die mithilfe von KI-Verfahren in eine Vielzahl neuer Formen überführt wurden.

Durch Ähnlichkeitsannäherung und Morphing entstand ein kontinuierlicher Transformationsprozess: In Kombination mit dem Normalhöhennull (NHN), der Höhenangabe über dem Meeresspiegel, wurde für jeden Höhenmeter von –10 m bis +600 m jeweils eine Bake generiert. So entstanden 610 Baken, jede mit individueller Form und Farbe, abgeleitet aus den Wellenlängen des Lichtspektrums. Ausgangsfarbe war das Rot klassischer Seezeichen. Diese Baken bilden ein Netz neuer Orientierungspunkte mit eigener Symbolik und visueller Sprache. Langfristig sind sie als resiliente Orte des Zusammenkommens gedacht: als Treffpunkte, Kreativräume, Schutz- und Möglichkeitsräume, auch als potenzielle Safer Spaces, tagsüber und nachts.

Künstliche Intelligenz wirkte somit als zentrale Gestalterin mit. Zum Einsatz kamen unterschiedliche Verfahren, darunter „Stable Diffusion“ (Latent Diffusion Model) zur Bildgenerierung und Transformation, „Low-Rank Adaptation“ (LoRA) zur gezielten Feinabstimmung auf historische Seezeichen sowie „DiffMorpher“ zur kontrollierten, fließenden Bild-zu-Bild-Transformation ohne visuelle Sprünge. Für studio baken wurde ein eigenes LoRA- Modell entwickelt, das mit rund 150 historischen Illustrationen und Fotografien von Seezeichen trainiert wurde. So konnte ein spezialisiertes generatives System entstehen, das neue Baken erzeugt, die formal und stilistisch an historische Vorbilder anknüpfen, ohne sie zu reproduzieren.





5. Ausstellungen und Residencies
Die Forschungsergebnisse der Artistic Research wurden bereits in verschiedenen Ausstellungs- und Konferenzkontexten präsentiert:

- 2025: Ausstellung, Prototypenbau und Workshops: „Sehzeichen für urbane Gemeinschaften“, IBA’27 Festival#2, Stuttgart
-  2022: Ausstellung: „wire“, HuMBASEpartout, Stuttgart
-  2022: Essayfilm: „Beacons. Maritime Markers (2021)“, Stuttgarter Filmwinter
-  2021: Gruppenausstellung und Konferenz: „Processing Spaces-Times“, Nieuw Dakota, Amsterdam

Die Artistic Research von studio baken ist unter anderem eingebettet in folgende wissenschaftliche und künstlerische Kontexte:

- 2023: Recherche: mit Archiv des Deutschen Schifffahrtsmuseum, Bremerhaven

- 2021: Symposium, Vortrag und Publikation: „The Creator Doctus Constellation: Exploring a New Model for a Doctorate in the Arts“, „Beacons: Maritime Markers“ von Caroline Meyer- Jürshof, Merz Akademie, Stuttgart

- 2020–2021: Einjähriges wissenschaftliches Koordinationsstipendium: „art, science & business“, Caroline Meyer-Jürshof, Akademie Schloss Solitude, Stuttgart






6. Umgesetzte Projekte und geplante Konzepte von studio baken: Architektur, Orientierung und urbane Sehzeichen.
studio baken entwickelt historische Seezeichen als zeitgenössische Baken, „Sehzeichen“, für den öffentlichen Raum. Die Projekte verbinden Architektur, künstlerische Forschung und digitale Innovation und schaffen Orte der Orientierung, Begegnung und kreativen Nutzung. Jede Bake ist individuell in Form, Farbe und Funktion gestaltet und folgt nachhaltigen, orts- und kontextspezifischen Leitlinien.

Architektonischer Ansatz

Die architektonische Realisierung jeder Bake orientiert sich an historischen Vorbildern, wie sie in Seekarten verzeichnet sind. Üblicherweise bestehen Baken aus Holz, selten aus Stahl, und variieren in der Höhe zwischen zwei und dreißig Metern. Sie werden im Boden nahe dem Gewässer verankert. In einige Baken wurde zudem ein Schutzraum integriert, sodass sie als Rettungsbake für verunglückte Seefahrer*innen oder verirrte Wattwander*innen fungierten. Heute dienen Baken noch immer als Orientierungspunkte in der Seefahrt, als Schutzraum im Watt oder als Sehenswürdigkeit.

Diese unterschiedlichen Funktionen münden für studio baken in folgende Umsetzungsleitlinien:

- Nachhaltigkeit: Nutzung von Holz, Wiederverwertbarkeit bei Auf- und Abbau, minimaler ökologischer Fußabdruck

- Signalcharakter: gut sichtbare, unverwechselbare Formen, Farben mit Bezug zur historischen Seefahrt

- Schutz- und Treffpunkte: Integration von Rückzugsmöglichkeiten, Treffpunkten oder Kreativräumen

- Tradition und Innovation: Übernahme tradierter Markierungsmethoden kombiniert mit modernen Bau- und digitalen Planungsprozessen

- Flexibilität: „Wandermodus“ ermöglicht den temporären Einsatz an unterschiedlichen Standorten

- Sicherheit und Materialerprobung: Robuste Konstruktionen, die äußeren Einflüssen wie Wind, Wasser oder urbanen Abgasen standhalten, Nichtbekletterbarkeit u.ä.

Baken werden so zu zeitgenössischen Orientierungspunkten, die nicht nur optisch wirken, sondern gesellschaftliche, soziale und kulturelle Funktionen erfüllen können.

Bereits umgesetzte Projekte

Beim IBA’27 Festival#2 im Vorfeld der Internationalen Bauausstellung 2027 (IBA’27) errichtete studio baken den ersten Prototypen einer Bake am Parkplatz Inselbad in Untertürkheim. Die Bake basierte auf einem KI-gestützten Baukastensystem, das aus 30 historischen Baken 610 neue Variationen generierte, jeweils mit individueller Form und Farbe, angepasst an den Höhenmeter des Standorts. Ziel des Projekts war es, großformatige Baken als Sehzeichen im urbanen Raum zu erproben. Sie irritieren bewusst, wenn sie in einer Stadt stehen, wo sie ursprünglich nicht für Orientierung gedacht waren. Gleichzeitig dienen sie als Kreativ- und Treffpunkte, an denen Workshops, Lesungen, Konzerte oder Diskussionsformate stattfinden können.

Konzepte für weitere Projekte

Baken sind mehr als Skulpturen: Sie sind zeitgenössische Orientierungspunkte, Treffpunkte, Schutzräume und kreative Orte, die in der Stadtgesellschaft neue Formen von Wahrnehmung, Interaktion und Teilhabe ermöglichen.

Weitere mögliche urbane Installationen von studio baken umfassen Baken als temporäre oder permanente Orientierungspunkte in Städten, die Schutz, Treffpunkte oder kreative Nutzung ermöglichen, ebenso wie Mixed-Media-Konzepte, die digitale, skulpturale und partizipative Formate kombinieren, um historische Navigationszeichen in neue urbane Kontexte zu übertragen. Ergänzend werden KI-gestützte Bau- und Morphingprojekte weiterentwickelt, um aus historischen Vorlagen individuelle Baken für unterschiedliche Höhen, Standorte und Communities zu generieren. Die Projekte von studio baken schaffen so sichtbare, funktionale und kreative Räume im urbanen Kontext, die Orientierung und Identität in Städten fördern, Orte für Begegnung, Schutz und künstlerische Experimente bereitstellen, Partizipation und Dialog über städtische Raumgestaltung ermöglichen und auf nachhaltige, wiederverwertbare Architektur setzen.

„Sakrale Bake“, Stadtkirche Ludwigsburg (2026): Ausgehend von 30 historischen Seebaken wurden mit Hilfe von KI und Ähnlichkeitsalgorithmen im Nachgang zum IBA’27 Festival #2 zusätzliche 1.000 neue Baken generiert. Eine dieser Baken soll in acht Metern Höhe als Holzskulptur im Kirchenraum der Stadtkirche Ludwigsburg im Kontext der Ausschreibung „Wechselspiel“, dem Kunstpreis der evangelischen Landeskirche Württemberg, errichtet werden. Zwei ergänzende Videoprojektionen über dem Altar zeigen den algorithmischen Morph der Baken sowie eine videodokumentarische Spurensuche nach historischen Baken entlang der Ostseeküste. Die Mixed-Media-Installation soll die Begegnung von analogem und digitalem Raum, die Übertragung von Navigationszeichen in sakrale und urbane Räume untersuchen sowie die Frage: Wie verändern sich unsere Orientierung und Wahrnehmung, wenn historische Baken in neue Kontexte treten? (Konzeptentwurf, eingereicht 2025, Ausgang offen.)

„Urbane Bake", Stuttgart-Kaltental (2025): Um den Ortskern im Tal der beiden am Hang gelegenen Ortsteile von Stuttgart-Kaltental wieder zu beleben und zu einem gern genutzten
   
Treffpunkt für die Bürger*innen vor Ort umzuwandeln, trat die Bürgerinitiative-Kaltental e.V. auf studio baken zu, um dies durch ein gemeinsames urbanes Transformationskonzept mit integrierter Bake umzusetzen. Geplant wurde eine Kombination aus Treffpunkt- und Schutz-Bake, die in ein Arrangement von Möglichkeiten für Urban Gardening und Sitzgelegenheiten eingebettet war. Aufgrund von Haushaltskürzungen wurde das Projekt auf Eis gelegt und wird ggf. zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgenommen.






7. Partizipative Formate bei studio baken: Orientierung gemeinsam gestalten.
Der partizipative Ansatz von studio baken stellt den Menschen in den Mittelpunkt. Die historischen Seezeichen dienen dabei nicht nur als künstlerische Objekte, sondern als Anlass für Dialog, Austausch und gemeinsames Gestalten. studio baken versteht Partizipation als offenen, dialogischen Prozess: Die Frage ist nicht nur, was Baken sind, sondern was sie mit uns machen und welche Formen von Orientierung sie in einer modernen Gesellschaft ermöglichen können.

Was ist der partizipative Ansatz von studio baken?

studio baken untersucht gemeinsam mit unterschiedlichen Zielgruppen, wie Baken wahrgenommen werden, welche Themen sie transportieren können und welche Bedeutung sie in urbanen Räumen heute haben. Im Zentrum stehen gesellschaftlich relevante Fragen: Wo brauchen wir heute Orientierung und Schutzräume? Wie wollen wir in Städten zusammenleben? Welche Zeichen, Treffpunkte oder Rückzugsorte fehlen im urbanen Raum? Und: Welche „Baken“ sind für unterschiedliche Städte und Gemeinschaften wichtig, als Orte der Orientierung, des Austauschs oder der Sicherheit?

Die Projekte sind bewusst offen angelegt und laden zur Mitbestimmung und aktiven Teilhabe ein. Durch gemeinsames Arbeiten, Diskutieren und Gestalten werden individuelle Perspektiven sichtbar und in den künstlerischen Prozess integriert.

Welche partizipativen Formate wurden bereits umgesetzt?

Ein zentrales Element der bisherigen Arbeit von studio baken sind öffentliche Workshops, die handwerkliche, künstlerische und gesellschaftliche Fragestellungen miteinander verbinden.

Im Rahmen des IBA’27 Festivals#2 bot studio baken beispielsweise am 10. und 11. Mai 2025 offene Workshops für Kinder, Jugendliche und Erwachsene an. Die Teilnehmenden konnten selbst zu Bakenbauer*innen werden und mit unterschiedlichen Materialien und Techniken experimentieren. So wurden 2D-Klebe-, Mal- und Bastelobjekte (Kinder) sowie 2D- und 3D- Skulpturen und modellhafte Bauobjekte (Jugendliche und Erwachsene) realisiert.

Neben dem kreativen Arbeiten stand der Dialog im Vordergrund. Gemeinsam wurde diskutiert: Welche Nutzungszwecke wünschen sich Besucher*innen für Baken? Wie können Baken zu Sehzeichen für Gemeinschaft werden? Welche nachhaltigen architektonischen und stadtplanerischen Ansätze sind relevant? Wo könnten Baken im Raum Stuttgart sinnvoll platziert werden? Interaktion, Austausch und Kreativität bildeten die Grundlage für einen offenen gesellschaftlichen Diskurs über Orientierung, Nachhaltigkeit und Zusammenleben im urbanen Raum.

Welche Formate sollen künftig umgesetzt werden?

Aufbauend auf den bisherigen Erfahrungen plant studio baken eine sukzessive Erweiterung seiner partizipativen und dialogischen Formate:

- Workshops zur (Neu-)Orientierung in der Stadt, unter anderem zur Frage, welche Zeichen Orientierung geben und welche fehlen

- Formate zu Zeichensprache und Symbolik, in denen eigene Zeichen, Symbole und Baken entworfen werden

- Workshops zur Raumwahrnehmung und urbanen Transformation, etwa durch Kartierungen, Skizzen, Modellbau oder Spaziergänge im Stadtraum

- Kreativformate wie Zeichnen, Malen, Skizzieren, Drucktechniken (Siebdruck, Stempeldruck, serielle Kunstdrucke) und Cyanotypie

- Digitale Workshops, beispielsweise zu 3D-Druck, Coding, Foto- und Videoprojekten oder KI- gestützten Gestaltungsprozessen

Alle Formate richten sich an unterschiedliche Zielgruppen, von Kindern und Jugendlichen über Studierende bis hin zu erwachsenen Stadtbewohner*innen, und können flexibel an Orte, Kontexte und Kooperationspartner*innen angepasst werden.

Partizipation als Mehrwert

Mit seinen partizipativen Formaten schafft studio baken Räume für Begegnung, Mitgestaltung und gesellschaftlichen Austausch. Teilnehmer*innen und Partner*innen profitieren von nachhaltigen Vermittlungsformaten, die künstlerische Praxis mit Bildung, Stadtentwicklung und sozialer Teilhabe verbinden. Dabei versteht studio baken Partizipation nicht als Begleitprogramm, sondern als integralen Bestandteil der künstlerischen Forschung und als Möglichkeit, Orientierung gemeinsam neu zu denken.










© all copyright: studio baken, 2026









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